Zu Hause in meinem Krankenhaus

“Ich fühle mich in meinem Krankenhaus zu Hause. So steht es auf dem Pappbecher, den ich jeden Morgen unter die Kaffeemaschine schiebe. Ich habe den Slogan immer etwas klischeehaft gefunden. Aber jetzt, da mein eigener Abschied in diesem Krankenhaus näher rückt, kommt die Melancholie zum Vorschein.

“Ich fühle mich in meinem Krankenhaus zu Hause. So steht es auf dem Pappbecher, den ich jeden Morgen unter die Kaffeemaschine schiebe. Ich habe den Slogan immer etwas klischeehaft gefunden. Aber wenn ich mich in diesem Krankenhaus meinem eigenen Abschied nähere, kommt Melancholie ins Spiel.

Vor fast vier Jahren kam ich hier als nagelneuer Arzt herein. Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte ich meine BIG-Nummer mitgenommen, und mein weißer Kittel quoll aus allen meinen Taschenkarten hervor. Während meiner ersten Nachtschicht tickte ich unangemessen hart im Ohr eines Internisten, weil ich so stolz darauf war, dass ich einen septischen Patienten stabilisiert hatte. Statt eines Ständers für den Tratsch erhielt ich ein wohlerzogenes Kompliment.

Hier wachsen junge Ärzte beruflich auf
Auf der Intensivstation entwickelte ich das Bauchgefühl für schwerkranke Patienten. In der Kardiologie habe ich nicht nur viel über Herzrhythmen gelernt, sondern ich habe auch festgestellt, dass bellende Hunde eigentlich sehr knuddelig sind. Während meines Praktikums fühlte ich mich mehr denn je wie ein Arzt und wurde mir der Verantwortung bewusst, die damit verbunden ist. Und als roter Faden waren immer meine Kollegen dabei: von Assistenzärzten über Krankenschwestern und Fachärzte, vom Kommunikationspersonal bis zu den Damen an der Kaffeebar.

Ein Krankenhaus ist so viel mehr als nur ein Gebäude aus Ziegelsteinen. Für unzählige junge Ärzte ist es der Ort, an dem sie beruflich aufwachsen. Wo sie zögerlich ihre ersten Schritte machen und mit einem Rucksack voller Erfahrungen mit geradem Rücken hinausgehen. Ein Ort zum Wohlfühlen. Und für mich ein Ort, den ich lieben gelernt habe.

Liebe Kolleginnen und Kollegen: Danke für die Abenteuer, danke für die tolle Zusammenarbeit, danke, dass ich bei Ihnen aufwachsen durfte!