“Bleiben Sie nett zu einem kranken Mann

Ältere Menschen kämpfen oft gegen den vorherigen Krieg”, schreibt Bert Keizer in seiner allerletzten Kolumne für Medical Contact. Meiner Meinung nach ist er damit zu bescheiden, denn in all seinen Erzählungen, auch für Trouw, lautete sein roter Faden: “Bleiben Sie in der ganzen Biochemie freundlich zu einem kranken Menschen”. Obwohl in diesen Worten ein Hauch von Paternalismus steckt (vielleicht passend zu seinem 72,9. Lebensjahr), verstehe ich, dass wir diesen zärtlich-liebenden Betreuungswunsch auch als die Frage interpretieren können: “Wie kann man dem Patienten am besten helfen? Auch außerhalb der Altenpflege und der Sterbebegleitung. Ich würde sagen: auch außerhalb davon. Wenn dies der “Krieg” des Kaisers ist, war er noch nie so relevant wie heute.

Eigentlich stellt sich die Frage: Würde der Arzt bitte den Kopf aus dem biochemischen Tunnel nehmen, um das leidende Individuum ihm gegenüber mit voller, breiter Aufmerksamkeit zu betrachten? Zum Glück für den Kranken tun das immer mehr Ärzte. Und das ist wichtig, denn hinter alten Thesen lebt manchmal noch die romantische Illusion, dass es in der Medizin um Heilung geht. Während für die überwiegende Mehrheit der Patienten ein Tag mit ab und zu weniger Beschwerden wirklich der höchste erreichbare Wert ist. Besteht, wie in der Onkologie, eine Chance auf Heilung, sind die Folgeschäden oft beträchtlich und lebenslang. Für den kranken Menschen bedeutet nett sein vor allem, eine weite Sichtweise einzunehmen und die “Biochemie” in ein größeres Paket einzubetten (siehe z.B. National Cancer & Life Action Plan).

Die Kranken von heute häufen Beschwerden an. Und Pillen. Und Nebenwirkungen. Polypharmazie ist die sublimierte Zurechtmachung des Körpers des 21. Jahrhunderts. Neben großen Portionen liebevoller Zuwendung besteht meiner Meinung nach die letztendliche Liebe für den Kranken vor allem darin, dafür zu sorgen, dass diese Person weniger stapelt. Und ansonsten fühlt man sich bei all dem Stapeln etwas weniger schlecht. Dies kann, nein, es muss in jedem Sprechzimmer, an jedem Bett eine normale Sache sein. Jeder Arzt kann seinen Patienten in Bezug auf Belastbarkeit und Lebensstil unterstützen, ohne sofort den digitalen Verordnungsblock einnehmen zu müssen. Und ja, das erfordert zusätzliche Kenntnisse und Fähigkeiten, wie Monique Tello in Harvard Health erklärt, aber die Belohnung ist großartig. Für beide Parteien. Ich kann darüber reden.

Den größten Schlag können die Ärzte jedoch versetzen, wenn sie auf der Kontextebene handeln, denn der Stapler ist ein Umweltproblem. Die Geschwindigkeit, mit der schöne Initiativen entstehen, folgt einer fast exponentiellen Kurve. Und mit jeder Geschichte strahle ich mehr. Nehmen Sie die gesunde Grundschule der Zukunft. Hier werden Kleinkinder gesünder, glücklicher, intelligenter und lernen Gesundheitskompetenzen. Mit dem Bonus, dass ihre Eltern davon profitieren. Der Rat für öffentliche Gesundheit und Gesellschaft befasst sich im weitesten Sinne mit “den Ursachen der Ursachen” der wachsenden Ungleichheit im Gesundheitsbereich. Da in der Vergangenheit mit der Kanalisation, der Sozialgesetzgebung und dem Bildungswesen große Schritte zur Verbesserung der Gesundheit unternommen wurden, sucht der Rat nun nach dem radikalen Durchbruch zur Verringerung der Ungleichheit. Jeder darf mitdenken.

Und dann gibt es noch die Pioniere der Lifestyle-Medizin. Trotz aller Beleidigungen und Spötteleien, die gegen sie gerichtet sind, wird ihre Arbeit in den kommenden Jahrzehnten wie ein Orkan durch die Gesundheitslandschaft wüten. Sogar die Gegner halten den Lebensstil inzwischen für unüberlegt (“natürlich hat er einen Einfluss, das wissen wir schon lange”). Aus zerbröckelnden Zinnen schreien heisere Kehlen ein letztes Mal: ‘Beweise, Beweise, wo ist der Beweis? Aber wie bei allem in der Wissenschaft: Der Beweis kommt mit Aufmerksamkeit, Zeit und Geld. Selbst mit dem winzigen Forschungsbudget, das bisher für diesen jüngsten Zweig ausgegeben wurde, ist die Bewegung nicht aufzuhalten. Der Mehrwert für die Patienten ist einfach zu groß (siehe z.B. Weltpsychiatrie).

Sir William Osler sagte: “Ein guter Arzt behandelt die Krankheit, ein großartiger Arzt behandelt den Patienten, der die Krankheit hat”. Ich würde hinzufügen: “Der beste Arzt unterstützt den Patienten und seine Umgebung. Mit zärtlicher, liebevoller Fürsorge”.